Triebe des Hundes:
Grundsätzlich gibt es zwei Haupttriebe bei jedem Lebewesen. Dies sind der Arterhaltungstrieb und der Selbsterhaltungstrieb. Von diesen beiden Trieben leiten sich alle anderen Triebe ab.
Das Leben unserer Hunde wird überwiegend durch Handlungen gestaltet, die als Produkt seiner zahlreich vorhandenen Triebformen anzusehen sind. Durch innere und äußere Mechanismen werden diese Triebe angesprochen (gereizt), worauf der Hund eine typische Reaktion zeigt. Angst löst die Aktivierung des Fluchttriebes aus; durch einen weglaufenden Scheintäter wird der Beutetrieb aktiviert; eine läufige Hündin löst den Sexualtrieb aus und ein herumtollendes Kind aktiviert den Spieltrieb des Hundes; um nur einige Beispiele zu nennen. Alle Gefühlsempfindungen wie beispielsweise Angst, Wut, Freude, Aggression und Frustration sind triebauslösend. In der Ausbildung der Hunde wird vorwiegend oder ausschließlich der Selbsterhaltungstrieb genützt.
Der Beutetrieb
ist beinahe in jedem Hund vorhanden und ist eng verwandt mit dem Spieltrieb. Im Spiel wird den jungen Tieren bereits das Fangen und Schlagen der Beute von ihren Rudelgefährten beigebracht. Der Beutereiz ist für den Hund immer Bewegung und zwar eine Bewegung, die sich vom Hund - möglichst rasch - entfernt. Unsere Beute in der Ausbildung wird durch den Ball, die Beißwurst, den Fetzen, bzw. den Schutzarm simuliert. Zu beachten ist, dass der Beutetrieb ermüdet.
Der Wehrtrieb
ist ebenso wichtig für die Ausbildung wie der Beutetrieb. Der Wehrtrieb setzt dann ein, wenn der Hund bedroht wird, ohne dass die Beute flüchtet. Der gute Hund setzt sich zur Wehr und antwortet mit Imponiergehabe und nötigenfalls auch mit Angriff. Dabei ist darauf zu achten, dass der Wehrtrieb und das Meideverhalten sehr eng beisammen liegen. Das Meideverhalten setzt ein, wenn die Belastung, bzw. die Bedrohung für den Hund zu stark wird und zeigt sich im Zurückgehen und möglicherweise sogar in der Flucht des Hundes, wenn er dazu die Möglichkeit hat. Im Aufbau des Hundes ist ein Meideverhalten immer zu vermeiden. Gefährlich ist, wenn ein Hund aus dem Meideverhalten heraus bestätigt wird. Dann wird er im Stressverhalten und unter Belastung auch künftig vor dem Anbiss in das Meideverhalten verfallen. Der Wehrtrieb ist, im Gegensatz zum Beutetrieb, jederzeit aktivierbar und ermüdet nicht.
Der Kampftrieb
des Hundes zeigt sich darin, sich auch einem Kampf zu stellen. Wenn der Kampftrieb schwach ausgeprägt ist, wird der Hund schneller und leichter in das Meideverhalten verfallen und dem Kampf ausweichen.
Klassifizierung der Hundetypen (nach Pawlow)
Der Melancholiker:
Wesenseigenschaften:
Schwacher Typ, passive Verhaltensweise, ängstliches Gebaren, geringer Aktionsradius, ausgeprägter Fluchttrieb, ausgeprägtes Meideverhalten, niedrige Reizschwelle, mangelndes Selbstvertrauen, überwiegend gehemmt.
Ausbildungsmöglichkeiten:
Als Diensthund untauglich, begrenzte Tauglichkeit als reiner Wachhund und Familienhund. Auch bei noch so optimaler Abrichtung sind keine nennenswerten Erfolge möglich.
Der Choleriker:
Wesenseigenschaften:
Starker, unausgeglichener Typ, aktive Verhaltensweise, zügelloses Gebaren, übermäßiger Aktionsradius, ständige Erregbarkeit, ausgeprägter Wehrtrieb, niedrige Reizschwelle, wirkt oft überdreht, selten gehemmt.
Ausbildungsmöglichkeiten:
Als Dienst- und Wachhund durchaus tauglich, Tauglichkeit als Familienhund aufgrund komplizierter Ausbildung und Erziehung nur begrenzt.
Der Sanguiniker:
Wesenseigenschaften:
Starker, ausgeglichener Typ, aktive Verhaltensweise, kontrolliertes Gebaren, hoher Aktionsradius, ausgeglichene Erregungs- und Hemmungsprozesse, mittlere Reizschwelle, wirkt meist sehr selbständig und ausgeglichen.
Ausbildungsmöglichkeiten:
Uneingeschränkte Tauglichkeit für alle Verwendungs- und Einsatzmöglichkeiten. Die Ausbildung gestaltet sich relativ einfach und führt ziemlich schnell zum gewünschten Erfolg.
Der Phlegmatiker:
Wesenseigenschaften:
Stark, ausgeglichen, träge, passive Verhaltensweise, träges Gebaren, niedriger Aktionsradius, langsame Erregungs- und Hemmungsprozesse, hohe Reizschwelle, wirkt meist lustlos, träge und faul.
Ausbildungsmöglichkeiten:
Als Dienst- und Wachhund eingeschränkt tauglich, hohe Eignung als Familienhund, da sehr ruhig, ausgeglichen und berechenbar. Einziger Hemmschuh bei der Ausbildung ist oftmals fehlende Arbeitsfreude.